|
Pressespiegel
(Quelle: Mannheimer Morgen, den 28. Juni
2004)
Lieder zur Schreibmaschine
THEATER: Musical-Revue "Sekretärinnen" in
Edesheim
Es gibt Frauen, die meinen, nichts wäre schlimmer, als
die
Zusammenarbeit mit Frauen. In einem Großraumbüro
mit fünf Sekretärinnen dürfte es demzufolge
hoch hergehen, dürfte getratscht, gestichelt und gemobbt
werden, was das Zeug hält. Dass auch schön gesungen
und beinah ins Wasser gefallen wird, das ist momentan nur
in Edesheim denkbar. Die Musical-Revue "Sekretärinnen"
des Franz Wittenbrink - ehedem Schauspielmusiker am Nationaltheater
und inzwischen von Ham- bis Salzburg viel gefragter Arrangeur
szenischer Liederabende - hatte dort Premiere und musste sich
den Vergleich mit etlichen kommunal- oder tourneetheatralischen
Produktionen gefallen lassen. Was dem Team um Regisseur Frank
Landua aber offensichtlich keine Not bereitete, weniger jedenfalls
als das Premieren-Wetter, denn just zu Beginn der Show entlud
sich eine dunkle Wolke.
Doch das Publikum war da, blieb da und ließ sich gern
begeistern. Schließlich hatte man die Darstellerinnen
mit sicherer Hand gewählt - aus dem inzwischen beeindruckenden
Künstler-Pool von Schatzkistl und Capitol, die gemeinsam
das Programm der südpfälzischen Festspiele bestreiten.
Annette Kienzle gibt dabei die naive Schwangere, lässt
sopranig rote Rosen regnen, beschwört als Gutmenschin
vom Dienst die "kleinen Hände", auf die man
nicht draufschlagen soll, beschwört bei "The Man
I Love" jazzig das Schicksal der potenziell Alleinerziehenden.
Dass ihre vokale Bandbreite beeindruckend ist, hat sich inzwischen
herumgesprochen. Regina Steegmüller ist Chefsekretärin
und spätes Mädchen, klar, dass sie in ihrer Jugend
als höhere Tochter eine klassische Gesangsausbildung
absolviert haben muss.
Mit trockenem Humor lässt sie nicht nur blitzsaubere
Operntöne in den Abendhimmel steigen, sondern auch durchblicken,
dass hinter der Fassade die bedürftige Frau lauert. Jeanette
Friedrich ist derweil die sexuell offenbar Erfolgreichste
und darf (und kann) deshalb auch entsprechend soulig singen.
Während Cynthia Popa reichlich Sexappeal, muntere Musical-Töne
und differenziertes (stummes) Spiel ins Feld führt und
Judith Schäfer den dicken Trampel vom Land mit herzzerreißend
falschen (und manchen schönen) Tönen ausstattet.
Ihr Faible für den Büroboten (Tobias Weis mit Mut
zum schmutzigen Sound) wird nicht erwidert, der Hahn im Korb
steht auf Fräulein Cynthia, die aber offensichtlich von
einem Schönling mit Sixpack träumt.
So hat jede ihre süße Not und lässt ihr bei
Leroy Andersons Schreibmaschinen-Fox freien Lauf. Michael
Quast am E-Piano unterstützt das tolle Treiben mit allen
stilistischen Wassern gewaschen, und Frank Landua garniert
das bekömmliche Menü aus Klassikern, Schlagern und
Evergreens zwischen den Plastikpalmen mit vielen kleinen Aperçus
und niedlichen bis derben Einfällen, die womöglich
in gut gelaunter Probenatmosphäre auch von den Sängerinnen
selbst angeboten wurden. Die gute Laune überträgt
sich in Edesheim und wir haben einzig anzumerken, dass man
sich um Zugaben länger bitten lassen sollte. aw
Seitenanfang
zurück
zur Übersicht
|