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Pressespiegel
(Quelle: Die Rheinpfalz, 26. Juli
2004)
"Sekretärinnen"
erobern die Seebühne
"Wetterfeste" Musical-Revue bedient bei Schlossfestspielen
Edesheim alle Klischees - Humorvoll und mit viel Selbstironie
Von unserer Mitarbeiterin Gabriele Weingartner
Wenn es nicht so martialisch klänge, müsste man
sagen: Die "Sekretärinnen", eine Art Musical-Revue
aus lauter Ohrwürmern, haben die Edesheimer Schlossfestspiele
im Sturm erobert. Die Produktion aus dem Programm des Mannheimer
"Schatzkistl" erwies sich jedenfalls als "wetterfest".
Selbst stärkere Windböen, immer mal wieder einsetzender
Regen und fast bis zum Schluss schwarz drohende Gewitterwolken
konnten die Zuschauer am Freitag nicht von den ungeschützten
Theaterrängen treiben. Man harrte aus. Und der Grund
dafür war einfach gute, ja sehr gute Unterhaltung.
An sich ist die Sekretärinnen-Riege des ursprünglichen
Musicals von Franz Wittenbrink ja sehr viel größer:
bei ihm gehen die weiblichen Aufmüpfigkeiten in einem
richtigen Großraumbüro über die Bühne.
Regisseur Frank Landua jedoch hat das Ganze auf fünf
Damen der tippenden Zunft reduziert - und dabei wohl getan.
Sehr präsent, witzig, humorvoll, mit viel Selbstironie
und Spaß an der Sache haben Annette Kienzle, Regina
Steegmüller, Cynthia Popa, Judith Schäfer, Jeannette
Friedrich das spezielle "Raumklima" einer modernen
"Schreibstube" über den Edesheimer Wassergraben
gebracht, und auch Tobias Weis, der einzige Mann unter den
Damen, zeigte sich als wunderbarer Sänger, Interpret
und - ja, als Komiker. Eros Ramazotti jedenfalls gelang ihm
so gut, dass ihm die Herzen der schreibenden Damen nur so
zuflogen.
"Herz" und "Puls" der vergnüglichen
Aufführung bildeten die fünf Sängerinnen, die
ihren jeweiligen Part je länger je besser bis in die
letzte Faser ihrer Figur ausfüllten und mit ansprechenden
Stimmen versahen: Die Plumpe, die Schüchterne, die Sehnsüchtige,
die Snobistin, das kleine Mädchen, der Vamp: alles hatten
sie drauf (Choreografie: Susanne Skrobarczyk). Und musikalisch
reichte ihr mühelos bewältigtes Repertoire von den
Andrew Sisters, Eartha Kitt und Marilyn Monroe bis zum deutschen
Schlager, von Rap und Hiphop bis zum volksliedhaften A-capella-Gesang.
Klar, dass eine Revue wie "Sekretärinnen" alle
Klischees erfüllt: da telefoniert die eine mit dem Liebsten,
während sie eigentlich arbeiten soll, die andere häkelt
Babysachen: immerhin lackiert sie sich nicht die Fingernägel.
Eine dritte liest aus dem Poesiealbum vor, die vierte ist
die Blondine vom Dienst, die fünfte der arme Bauerntrampel,
der sich nach Liebe sehnt. Und alle, alle kreisen, ob sie
es wollen oder nicht, um ihren unsichtbaren Chef, der sie
nummernweise in sein "Allerheiligstes" ruft.
Aber es ist eine flotte Fron, die hier vorgeführt wurde.
Sie wird mit Musik auf den Lippen verrichtet, mit Liedern
und Songs vor allem, die das Publikum kennt und liebt und
nun - mit kabarettistischen Girlanden versehen - noch einmal
völlig neu erleben kann. Dass es keine klappernde Schreibmaschinen
mehr gibt, sondern nur noch leise klackernde Computer-Tastaturen:
was soll's. Es war eine schöne Premiere der - auch von
der RHEINPFALZ unterstützten - Musicalrevue, und nicht
zuletzt Michael Quast, der brillante Mann am synthetischen
Klavier, hat dafür gesorgt, dass nichts, aber wirklich
nichts, aus dem rechten Takt geriet.
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