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Pressespiegel
(Quelle: Die Rheinpfalz, Lokalausgabe Frankenthal, 11. Oktober
2004)
Schreibmaschine wird zum Objekt der Begierde
Unterhaltsame Musical-Revue "Sekretärinnen" im Congress-Forum - Gängige Großraumbüro-Klischees liebevoll kultiviert
Von unserem Mitarbeiter Alois Ecker
Nein, die gute alte Schreibmaschine lässt sich auch im Computerzeitalter nicht kleinkriegen und hat im Büroalltag nach wie vor ihre Existenzberechtigung. Zumindest in der Musical-Revue "Sekretärinnen", wo das im Rhythmus klappernde Gerät sogar zum Objekt der (sexuellen) Begierde hochstilisiert wird. Ohne psychologischen Tiefgang, aber doch mit ironischen Untertönen werden in dem Stück von Franz Wittenbrink, das am Freitagabend im voll besetzten großen Saal des Congress-Forums über die Bühne ging, die kleinen Schwächen und geheimen Wünsche von fünf Damen auf sehr unterhaltsame Art und Weise persifliert.
Die Produktion von Musik-Kabarett Schatzkistl und Kultur-Netz Mannheim, unter der künstlerischen Gesamtleitung von Peter Baltruschat stehend und von Frank Landua in Szene gesetzt, lässt kaum eines der gängigen Klischees aus, wenn es darum geht, die unterschiedlichen Persönlichkeitsbilder der "Tippsen" ins rechte Licht zu rücken. Und auch die musikalische Mixtur - ein leicht bekömmliches Potpourri aus schon angestaubten Schlagern und Chansons, volkstümlichem Liedgut sowie eingängigen Rock- und Popsongs - lebt von Kontrasten und Überraschungen, mit denen das Publikum knapp zwei Stunden bei blendender Laune gehalten wurde. Der Frankenthaler Hausfrauenbund und die Stadtwerke als Sponsor hatten bei der Auswahl ihres alljährlichen Kulturevents wieder einmal ein glückliches Händchen bewiesen.
Bereits die Erkennungsmelodie von "Sekretärinnen", der flotte Schreibmaschinen-Fox von Leroy Anderson, ließ erahnen, dass in dem mit üppigen Palmen dekorierten Großraumbüro ein eingespieltes Ensemble agiert, das auch einem scheinbar stereotypen Tagesablauf zwischen Stenoblock, Telefon und Kaffeetasse immer dann auch angenehme Seiten abgewinnen kann, wenn das andere Geschlecht ins Spiel kommt und bisweilen nicht nur die Fantasie mit dem Quintett durchgeht.
Da war die gut gebaute Blondine mit knappem Minirock - Cynthia Popa hatte den Sexappeal nicht nur in der Stimme -, für die es rote Rosen regnet und die offen bekennt, zu geil für diese Welt zu sein. Mit Schokolade war ihr nicht gedient, sie wollte einen Mann. Supercool und permanent Kaugummi kauend gab sich Jeannette Friedrich, die sich in privaten Telefonaten zu reichlich einsilbigen Liebeserklärungen hinreißen ließ und vom "Man I love" träumte. Bei der Milva-Parodie konnte sie ihre wunderbare Soulstimme gut entfalten. Und Annette Kienzle hatte mit dem Song "Without you", bei dem sie die erotischen Seiten der Schreibmaschine entdeckte, ihre stärksten Momente. Das süße Geheimnis, dass ihr Babybauch echt ist und sie schon in vier Wochen Mutterfreuden entgegensieht, wurde erst ganz zum Schluss gelüftet.
Seriös-bieder und gesanglich in allen Belangen überzeugend schlüpfte Regina Steegmüller in die Rolle der Bürovorsteherin, die mit Vorliebe aus ihrem Poesiealbum zitiert und für die das Glück "a Vogerl" ist. Die Sparte Comedy war bei Judith Schäfer in den allerbesten Händen. Mit Dirndl, selbstgestrickten Socken und Turnschuhen mimte sie die Unschuld vom Lande, die so herrlich falsch singen durfte und bei "I wanna be loved by you" zu Hochform auflief. War da noch der einzige Mann Tobias Weis als Bürodiener im Hausmeister-Krause-Outfit, der sich als Herzensbrecher entpuppte und beim Ramazotti-Hit "Se Bastasse Una Canzone" eine extrem laszive Nummer abzog. Allein Michael Quast, der einfühlsam begleitende Mann am Klavier, ließ sich dabei nicht aus dem Konzept bringen. Die Zuschauer indessen hatten längst Feuer gefangen.
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