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Pressespiegel

(Quelle: Mannheimer Morgen, 08. August 2005)


So macht Arbeit Spaß

MUSICAL: Die "Sekretärinnen" auf der Seebühne im Luisenpark

Seit nunmehr zehn Jahren entzücken Franz Wittenbrinks "Sekretärinnen" auf den Theaterbühnen in ganz Deutschland, und auch in der Region, in der der gefragte Musikarrangeur und Komponist einige Jahre am Nationaltheater arbeitete, haben seine "Tippsen" nichts von ihrem Charme eingebüßt. Im zweiten Jahr präsentieren das Mannheimer Schatzkistl und das Kulturnetz Rhein-Neckar eine eigene Produktion der Musical-Revue um einen nicht ganz so alltäglichen Alltag im Großraumbüro, die nun auch auf der Seebühne des Mannheimer Luisenparks begeisterte.

Es bleibt ein genialer Schachzug Wittenbrinks, bei der locker gefügten Handlung auf Textpassagen fast völlig zu verzichten. Stattdessen erschließen sich die typisierten Charaktere und Abläufe allein durch Chansons, moderne Popsongs und Evergreens. In der witzigen, auf viel - sehr gut umgesetzte - Körpersprache angelegten Schatzkistl-Inszenierung Frank Landuas stört es überhaupt nicht, dass die Garde der Sekretärinnen auf fünf reduziert wurde, denn das Quintett ist stimmlich so präsent und variantenreich, dass es fehlende Menge leicht auffängt. Da ist einmal Regina Steegmümller als Bürovorsteherin, die sich sehr kühl und kultiviert gibt, Gedichte deutscher Poeten rezitiert und mit ausgebildeter Stimme klassisches Liedgut ("In einem kühlen Grunde") von sich gibt. Sie gesteht aber, auch eine schwache Seite zu haben, die sie nachts beim Tango auslebt.

Cynthia Popa dagegen ist die sexy Blondine schlechthin, die bewusst auf Marilyn Monroe macht ("Diamonds are the girls best friends"), morgens zu spät kommt, wenig arbeitet, nach durchfeierten Nächten "wieder auf der Erde" landet und immer auf der Suche nach einem Lover ist. Auch Judith Schäfer als korpulenter Bürotrampel steckt voller unerfüllter Wünsche. Die Erzkomödiantin im Dirndl mit Strickstrümpfen und Turnschuhen schwelgt hemmungslos und perfekt falsch in deutschen Sehnsuchtsschlagern der frühen 60er - Marke Lale Andersen ("Ein Schiff wird kommen"). Trost für sie und für andere steckt in ihrer Keksdose, die sie freigebig herumreicht (sehr gut interpretiert "I wanna be loved by you").

Ob Jazziges ("The man I love") oder Chanson ("Für mich soll's rote Rosen regnen"): Annette Kienzle gelingt als mannlose Schwangere der Spagat zwischen naiver Unschuld und selbst bestimmendem Bewusstsein. Mit Männern kein Problem hat Jeanette Friedrich. Mehrfach am Tage wird sie angerufen und weidet sich am Neid der Kolleginnen. Mit Soul in der Stimme singt sie von ihren Identitätsproblemen, parodiert Milva ("Du zeigst mir immer, dass es möglich ist, ganz Frau und trotzdem frei zu sein") und fällt dem Büroboten (Frank Landua) zu Füßen, als der sich als Eros-Ramazotti-Verschnitt entpuppt.

Obwohl vorher eher eine Art dickbäuchiger Trottel vom Dienst, bewahrheitet sich seine Überzeugung "Ich brech' die Herzen der stolzesten Frau'n", als letztlich alle Fünf - angetörnt vom ihm - durchaus doppeldeutig eine kleine Sexorgie mit und auf ihren Schreibmaschinen feiern ("I cannot leave without you"). Auch sonst sind sie als Quintett bewegungsmäßig (Choreografie Susanne Skrobarczyk) und stimmlich stark, wenn sie dem Chef mit Aretha Franklins "Respect" die Meinung sagen oder auch nur mit einer Otis-Redding-Abwandlung "Sitting at this place every day" ihr tristes Arbeitsleben beklagen. Ach, gearbeitet wird auch - manchmal. Nicht nur mit Leroy Andersons "Typewriter" macht Michael Quast am Klavier den Sekretärinnen Finger, auch sonst ist er ein überaus zuverlässiger Begleiter. Sd




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